Weingeschichten

Der Sturzbecher

Ein historisches Weinglas,
das verpflichtet!

Sicherlich stand beim Gebrauch eines Sturzbechers oder eines Tümmlers der Genuss an zweiter Stelle. Beide Glasformen lassen es dem Weintrinker nicht zu, sein Glas abzustellen. Der Wein muss getrunken werden! Ein historischer Bericht legt allerdings nahe, dass dies zumindest bei Weinproben im Hofkeller des 18. Jahrhunderts kein Problem darstellte. 

1705 schreibt der englische Diplomat Blainville:

„Dieses Bacchusopfer endigte sich auch nicht eher, als um acht Uhr des Abends, da einige ihre Rolle so wohl gespielt hatten, daß sie weder sitzen noch stehen konnten. Ich wunderte mich sehr, wie Leute, ohne durstig zu seyn, eine so große Menge Wein auf einmal hinunter schlucken könten, daß sie nicht einen einzigen Tropfen im Glase ließen. Einer von des Bischofs Hofgeistlichen, zu dem ich dieses sagte, antwortete mir aber, daß dieses die Landesgewohnheit wäre, und daß man sich in Franken einen Ruhm daraus machte, keinen einzigen Tropfen im Glase zu lassen.“

Das passiert uns heute auch noch, nicht weil er umzukippen droht, sondern weil er einfach schmeckt. 


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